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Wirkstoffgruppe
auch bezeichnet als:
Analgetika, narkotisierende; Hypnoanalgetika; Narkoanalgetika; narkotisierende Analgetika; Opiate; Opioidanalgetika; Opioide; Schmerzmittel, opioide
Der menschliche Körper verfügt über ein eigenes schmerzhemmendes System, das die Schmerzempfindung dämpft. Dieses System befindet sich hauptsächlich im Gehirn und im Rückenmark, aber auch in anderen Körperorganen. Dort sitzen so genannte Opioid-Rezeptoren, deren Erregung eintreffende Schmerzsignale unterdrückt. Unter seelischem oder körperlichem Stress schüttet das Gehirn körpereigene Stoffe (die so genannten Endorphine und Enkephaline) aus, die sich an die Opioid-Rezeptoren binden. Damit wird die Wahrnehmung von Missempfindungen und Schmerzen vorübergehend ausgeschaltet. Das erklärt zum Beispiel, warum Unfallopfer ihre Verletzungen oft zunächst gar nicht spüren und die Schmerzen erst später, nach der Akutsituation, einsetzen. Die körpereigene Schmerzhemmung hat den Sinn, eine lähmende Schmerzreaktion zunächst zu unterdrücken, um in Krisensituationen die Handlungsfähigkeit zu erhalten. Die unterschiedliche Aktivität dieser natürlichen Schmerzstillung scheint ein wesentlicher Grund für die individuell sehr verschiedene Schmerzempfindlichkeit zu sein.
An den oben beschriebenen Opioid-Rezeptoren werden auch die opioiden Schmerzmittel wirksam. Dabei hängen die schmerzstillende Hauptwirkung und auch die Nebenwirkungen von der Art des Opioid-Rezeptors ab, an den sich das Opioid bindet und davon, wie das Opioid sie beeinflusst. Die wichtigsten Rezeptor-Typen werden mit den griechischen Buchstaben Mü, Kappa, Delta und Sigma bezeichnet. Die meisten opioiden Schmerzmittel sind Erreger (Agonisten) des Mü-Rezeptors. Die Erregung der verschiedenen Rezeptoren führt zu den typischen Opioidwirkungen: Schmerzen werden unterdrückt, die Atmung wird gehemmt, die Körpertemperatur erhöht, der Herzschlag verlangsamt, die Stimmung hellt sich auf und die Pupillen verengen sich. Durch Lähmung der Darmmuskulatur wird auch Verstopfung hervorgerufen. Einige dieser Wirkungen sind meistens unerwünscht und werden daher als Nebenwirkungen angesehen.
Wirkstoffe wie das Naloxon als so genannter Antagonist binden ebenfalls an die genannten Rezeptoren, ohne dort aber eine Wirkung zu entfalten. So heben die Antagonisten die Opioid-Wirkung auf. Man nutzt Wirkstoffe wie Naloxon daher bei Opioid-Überdosierungen als Gegengift.
Außer den genannten Nebenwirkungen können opioide Schmerzmittel einige weitere unerwünschte Wirkungen haben. Anzuführen sind hier unter anderem erschwerte Blasenentleerung, Verschluss der Gallenwege, Blutdruckabfall, erhöhte Wehentätigkeit sowie Hautrötungen, Juckreiz, Nesselsucht und bei Asthmatikern Krämpfe der Atemwege. Opioide Schmerzmittel rufen nach der Einnahme zunächst Übelkeit und Brechreiz hervor. Diese Erscheinungen verschwinden aber meist nach längerer Einnahme. Dann wirken die Opioide sogar brechreizmindernd.
Wegen ihrer bei vielen Menschen stimmungsverbessernden (euphorisierenden) Wirkung werden Opioide häufig nicht bestimmungsgemäß verwendet (Drogenmissbrauch). Daher werden diese Mittel stets unter ärztlicher Kontrolle und nur auf Rezept abgegeben. Für Morphin und die anderen opioiden Schmerzmittel gelten sogar die besonders strengen Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. Zur Verschreibung sind spezielle Rezepte (BTM-Rezepte) erforderlich. Wegen dieses erhöhten bürokratischen Aufwands und aus Furcht vor einer Sucht werden Schmerzpatienten in Deutschland vielfach nicht angemessen versorgt. Dabei sind Opioide bei richtiger Anwendung außerordentlich gut wirksam und sicher. Eine Gefahr der Abhängigkeit ist bei richtiger, ärztlich kontrollierter Anwendung geringer als allgemein vermutet.
Stand: 30.08.2007
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