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Wirkstoffgruppe
auch bezeichnet als:
Sulfonylharnstoffe und Derivate
Die Wirkung der Sulfonylharnstoffe wie auch Repaglinid ist von einer gewissen restlichen Insulinbildung in der Bauchspeicheldrüse abhängig. Sulfonylharnstoffe erregen die Betazellen der Langerhans´schen-Inseln in der Bauchspeicheldrüse und fördern dadurch die Freisetzung von Insulin. Die Wirkstoffe verschließen die Kaliumkanäle der Betazellen, wodurch sich die Calciumkanäle öffnen und Calcium in die Betazellen hineinfließt. Das Calcium wiederum löst die Insulinabgabe ins Blut aus. Übrigens wird bei gesunden Menschen genau über diesen Mechanismus die Insulinausschüttung hervorgerufen. Allerdings öffnet bei Gesunden der Blutzucker selbst die Calciumkanäle.
Der Erfolg einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen lässt sich am Absinken des HbA1c-Wertes ablesen. Dieser für die so genannte Langzeitkontrolle des Blutzuckerspiegels wichtige Wert bezeichnet die Menge des an roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) gebundenen Zuckers. Sulfonylharnstoffe vermögen diesen Wert um zwölf Prozent zu senken.
Der am besten untersuchte Wirkstoff dieser Wirkstoffgruppe ist Glibenclamid. Glibenclamid, aber auch Glibornurid lässt die Konzentration an Insulin im Blut mit einer zeitlichen Verzögerung stark ansteigen. Daher kommt es häufiger als bei den anderen Wirkstoffen dieser Gruppe aufgrund des Insulinüberschusses zu Unterzuckerungen. Merkmale eines solchen Blutzuckermangels sind Nervosität, Schwitzen, Zittern und letztlich Bewusstseinsverlust.
Mit dem Wirkstoff Glimepirid kommt es durch eine schnelle und kurze Insulinfreisetzung seltener zu Unterzuckerungen. Außerdem führt Glimepirid seltener als andere Sulfonylharnstoffe zu Gewichtszunahme.
Gliclazid, ein weiterer Wirkstoff, führt zu einer Insulinausschüttung, die der natürlichen Insulinausschüttung sehr ähnlich ist. Es kommt also kaum zu zeitweiligem Insulinüberschuss mit Unterzuckerungen. Außerdem bremst Gliclazid eine zu starke Aneinanderlagerung der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) und wirkt somit kleinsten Thrombosen (Blutgerinnseln) entgegen. Ein Fortschreiten der diabetischen Gefäßveränderungen am Auge mit der Folge der allmählichen Erblindung wird durch Gliclazid verzögert.
Auch bezüglich des Wirkungseintritts und der Wirkungsdauer gibt es Unterschiede:
Glibenclamid, Glimepirid und Gliquidon brauchen etwa zwei bis drei Stunden, um ihre volle Wirkungsstärke zu erreichen. Die Wirkstoffe Tolbutamid, Glibornurid und Gliclazid brauchen mit drei bis sechs Stunden deutlich länger, um ihre maximale Wirkung zu erreichen.
Repaglinid und Nateglinid gehören, chemisch betrachtet, nicht zu den Sulfonylharnstoffen, doch ist ihr Wirkmechanismus weitgehend gleich. Ihre Vorteile liegen im schnellen Wirkungseintritt (nach etwa 30 Minuten) und in der raschen Ausscheidung. So können sie kurz vor dem Essen eingenommen werden und senken den Blutzuckerspiegel direkt nach der Mahlzeit, lassen aber den Nüchternblutzucker praktisch unverändert. Dadurch ist auch die Gefahr von Unterzuckerungen (besonders während der Nacht) geringer als mit Sulfonylharnstoffen. Nateglinid wirkt dazu 300 Mal gezielter auf die Betazellen der Bauchspeicheldrüse als auf die Herzzellen. Daher ist es für Herzpatienten besser verträglich als alle anderen Vertreter der Sulfonylharnstoffe.
Besonders die älteren Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid und Tolbutamid scheinen sich nachteilig auf die Herzfunktion auszuwirken. In aktuellen Studien wird über eine erhöhte Sterblichkeit von Patienten berichtet, die mit diesen Wirkstoffen behandelt wurden. Möglicherweise liegt die Verschlechterung der Herzfunktion daran, dass die Wirkstoffe auch im Herzen die Kaliumkanäle blockieren und damit eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels fördern. Neuere Sulfonylharnstoffe wie Gliclazid und Glimepirid weisen diesen Nachteil nicht auf.
Stand: 06.09.2007
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