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Wirkstoffgruppe
auch bezeichnet als:
Magen- und Darmmotilität- fördernde Stoffe; Magenentleerung- und Darmpassage- fördernde Stoffe
Prokinetika finden Anwendung bei gestörter Magen-Darm-Funktion und bei Magenentleerungsstörungen. Diese können sich äußern in Völlegefühl, Oberbauchbeschwerden und Rückfluss (Regurgitation) von Mageninhalt in Speiseröhre oder Mundhöhle.
Auch bei Übelkeit und Erbrechen werden Prokinetika eingesetzt. Dabei ist es nicht von Belang, ob die Ursachen der Beschwerden unbekannt sind oder ihnen andere Erkrankungen (wie Migräne, Leber- und Nierenerkrankungen, Schädel- und Hirnverletzungen), Arzneimittelnebenwirkungen oder -unverträglichkeiten zugrunde liegen.
Zu den Prokinetika gehören die Wirkstoffe Domperidon und Metoclopramid.
Prokinetika fördern die Vorwärtsbewegungen des Speisebreis in Magen, Dünndarm und Dickdarm. Sie beschleunigen somit die Magenentleerung in den Darm und verkürzen die dortige Verweilzeit der aufgenommenen Nahrungsmittel.
Alle Prokinetika wirken auf das vegetative Nervensystem. Da es von uns nicht willentlich beeinflusst werden kann, wird es auch unwillkürliches oder autonomes Nervensystem genannt.
Das vegetative Nervensystem durchzieht mit seinen Fasern den gesamten Körper und wird von untergeordneten und daher unbewussten Hirnregionen gesteuert. Es hat die Aufgabe, unsere Körper- und Organfunktionen zu koordinieren und zu regulieren. Es wird von zwei Nervensträngen, dem Sympathikus und dem Parasympathikus, beherrscht, die Gegenspieler sind. Im Wachen, bei Aktivität und in Stress-Situationen ist der Sympathikus aktiviert. Er steigert die Fähigkeit zur Arbeitsleistung und stellt Energie für das bewusste Handeln bereit: Die Aufmerksamkeit ist gesteigert, die Pupillen weiten sich, Muskelspannung und Schweißproduktion steigen. Die Muskeln von Magen, Darm, Harnblase und Gebärmutter erschlaffen, der Mund ist trocken, weil weniger Speichel produziert wird. Die Blutgefäße (außer denen des Herzens und der Skelettmuskulatur) verengen sich, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck wird erhöht und die Atmung beschleunigt sich.
Stellt sich der Mensch auf Ruhe und Nahrungsaufnahme ein, übernimmt der Parasympathikus die Steuerung. Er sorgt dafür, dass die Muskeln des Verdauungstraktes und der Harnwege zu arbeiten beginnen, der Speichel fließt und das Herz langsamer schlägt. Die Erregung des Parasympathikus wird unter anderem durch die körpereigenen Botenstoffe Dopamin und Serotonin gesteuert. Durch Dopamin wird die Aktivität des Parasympathikus gebremst, durch Serotonin gesteigert. Beide Botenstoffe binden sich dafür an entsprechende Rezeptoren des Parasympathikus in der Muskulatur der inneren Organe, in hormonproduzierenden Drüsen wie zum Beispiel der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und am Herzen.
Die Prokinetika binden sich an die parasympathischen Rezeptoren sowohl des Dopamins wie des Serotonins, wirken dort aber unterschiedlich. An den Bindungsstellen des Dopamins (Dopamin-Rezeptoren) heben sie die bremsende Dopamin-Wirkung auf, an denen des Serotonins (Serotonin-Rezeptoren) wirken sie leicht aktivierend. Dies führt letztendlich zu einer Erregung des Parasympathikus und einer Anregung der Verdauungstätigkeit beziehungsweise einer Beschleunigung der so genannten Magen-Darm-Passage.
Der Arzneistoff Domperidon greift nur an Dopamin-Rezeptoren außerhalb des Gehirns an. Er aktiviert ausschließlich die Verdauungstätigkeit und ist gut verträglich.
Metoclopramid kann im Gegensatz zu Domperidon auch in das Gehirn gelangen. Das hat den Vorteil, dass der Wirkstoff einerseits die Magen-Darm-Bewegungen fördert und andererseits durch eine Hemmung des Brechzentrums im Gehirn gegen Übelkeit wirksam ist.
Die zusätzliche Wirkung von Metoclopramid in Regionen des zentralen Nervensystems ist jedoch mit einem größeren Spektrum an möglichen Nebenwirkungen verbunden. Die Blockade von Dopamin-Rezeptoren im Gehirn durch Metoclopramid kann Schwindel, depressive Verstimmungen, Unruhe und Bewegungsstörungen ähnlich wie bei der Parkinson-Krankheit hervorrufen. Darüber hinaus kann eine länger dauernde Anwendung von Metoclopramid bei Frauen zu unnormalem Milchfluss oder Störungen des Menstruationszyklus und bei Männern zu Brustwachstum führen. Diese Effekte werden sonst im Gehirn durch den Botenstoff Dopamin gehemmt; Metoclopramid aber hebt die Hemmung auf. Die genannten Nebenwirkungen bilden sich nach Absetzen von Metoclopramid wieder zurück.
Stand: 29.10.2007
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