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Wirkstoffgruppe

Lincosamide

auch bezeichnet als:
Lincosamid-Antibiotika

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe
"Lincosamide" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Lincosamide sind Antibiotika. Sie können bestimmte Arten von Bakterien bekämpfen und wirken damit gegen die Erkrankungen (Infektionen), die durch diese Bakterien verursacht werden. Auf Lincosamide empfindlich reagieren nur verhältnismäßig wenige Bakteriensorten. Darin ähneln die Lincosamide den Makrolid-Antibiotika, zu denen auch teilweise eine Kreuzresistenz besteht. Lincosamide können die Bakterien oft nicht abtöten, sondern lediglich ihre Ausbreitung verhindern. Aufgrund der genannten Nachteile und Einschränkungen ist als einziger Wirkstoff aus der Gruppe der Lincosamide heute noch Clindamycin gebräuchlich.

Bei Infektionen durch Streptokokken und Staphylokokken wirken Lincosamide aber besonders gut, was ihren Einsatz rechtfertigt.

Lincosamide werden eingesetzt:
Für die Behandlung der Hirnhautentzündung (Meningitis) sind die Lincosamide nicht geeignet, da sie in der Gehirnflüssigkeit keine ausreichenden Konzentrationen erreichen.

So wirken Lincosamide

Lincosamide wie das Clindamycin greifen in die Eiweißproduktion der Bakterien ein, die für alle Lebensvorgänge der Erreger wichtig ist.

Um die genaue Wirkweise der Lincosamide zu verstehen, ist etwas Hintergrundwissen über die Eiweißproduktion der Erreger nötig. Der Bauplan für die verschiedenen Eiweiße ist in der Erbinformation, der strickleiterförmigen DNA, enthalten. Eiweiße bestehen aus einer langen Kette von verschiedenen so genannten Aminosäuren. Art und Gestalt des entstehenden Eiweißes wird durch die Abfolge der Aminosäuren bestimmt, die in der Erbinformation festgelegt ist. Zusammengebaut werden die Eiweiße von kleinen Organen der Erregerzellen, den so genannten Ribosomen. Die Ribosomen gleiten an der Strickleiter der DNA entlang, lesen die Information ab und hängen die Aminosäuren wie von der DNA vorgegeben aneinander.

Die Lincosamide greifen in den Prozess der Eiweißbildung ein, indem sie sich an die Ribosomen heften. Diese Anbindung von Lincosamiden hindert die Ribosomen an ihrer Arbeit und blockiert damit die Eiweißherstellung der Erregerzelle.

Lincosamide wirken auf diesem Weg vorwiegend wachstumshemmend auf die Erreger. Allerdings können sie in Abhängigkeit von der Konzentration am Ort der Infektion und von der Empfindlichkeit der Erreger die Bakterien auch abtöten.

Eine Besonderheit ist bezüglich der Wechselwirkungen des Lincosamids Clindamycin zu nennen: Bei Kombination von Clindamycin mit dem Makrolid-Antibiotikum Erythromycin wurde im Reagenzglas eine Schwächung der antibakteriellen Wirksamkeit beider Substanzen beobachtet. Möglicherweise behindern sich Lincosamide und Erythromycin in ihrer Wirkung gegenseitig durch einen Wettbewerb um die Bindungsstelle an den Ribosomen. Da diese im Experiment gefundene Eigenschaft auch bei der Behandlung von Bedeutung sein könnte, sollten Erythromycin und Lincosamide nicht gleichzeitig angewendet werden.

Stand: 22.11.2007
(Die Inhalte des Medikamenten-Ratgebers werden auf Basis fundierter Quellen erstellt)

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